Dorothea Plümer
„Müssen muss man erstmal gar nichts!“
  • Cultural Velocity
Dorothea Plümer
22.01.2020

Experteninterview

Dorothea Plümer beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Trends.

1. Welche Trends haben das Media-Business im letzten Jahrzehnt am meisten beeinflusst?

Erst einmal würde ich gerne den Begriff Trends durch Wandel und Entwicklung ersetzten. Denn anfänglich sind es ja Veränderungen in Kultur, Gesellschaft und Technologie, die dann letztendlich Trends hervorbringen. In diesem Sinne ist meines Erachtens das Smartphone die wichtigste Neuerung der letzten zehn Jahre. Nichts anderes hat einen so extremen Wandel in unserer aller Lifestyle hervorgebracht. Zugleich hat das Smartphone natürlich insbesondere die Kommunikation und somit auch das Media-Business auf ein ganz neues Level gehoben. 

2. Müssen Werbungtreibende jeden Trend mitmachen?

Müssen muss man erstmal gar nichts! Markenverantwortliche sollten gesellschaftlichen Wandel ganz genau unter die Lupe nehmen. Im Zuge dessen müssen sie bewerten, ob und warum ein bestimmter Trend relevant für ihr Angebot und ihre Zielsetzung sein könnte. Dafür müssen vor allem drei Fragen beantwortet werden: Eignet sich der Trend überhaupt, um meine Botschaft zu kommunizieren? Wie relevant ist er für meine Zielgruppe?  Und welchen Wettbewerbsvorteil bietet es mir im Hinblick auf Kommunikation, einen bestimmten Trend mitzumachen?

3. Aber wie erkennt man Trends? Und woran sieht man, dass sie bedeutsam für ein Unternehmen oder eine Marke sind?

Ein echtes Patentrezept gibt es leider nicht. Am Anfang steht aber die detaillierte Beobachtung insbesondere technologischer und kultureller Entwicklungen, der Unterhaltungsindustrie und insbesondere der digitalen Welt. Aber auch einzelne Gruppen, Subkulturen und Alterskohorten sollten Markenverantwortliche im Blick behalten. Auch andere internationale Märkte sind interessant, da sie dem deutschen Markt nicht selten voraus sind und sich Entwicklungen hierzulande dementsprechend oft vorhersagen. Für die Einschätzung, ob ein Trend gedeiht und zur eigenen Zielsetzung, zur Marke und zur Mediastrategie passt, braucht man sehr viel Erfahrung – oder eben eine hervorragende Mediaagentur.

4. Warum ist „Mobile First“ in deinen Augen kein Trend mehr?

Mobile First ist mittlerweile State of the Art, also fest in unserem Lifestyle verankert. Gerade deshalb muss dieses Feld aber schlau und umfassend beackert werden. Heißt: Mit dem Handy sollte wirklich ALLES möglich sein. Die Lücke zwischen On- und Offline wird vom Verbraucher nicht mehr akzeptiert. E-Commerce, automatisierter Einkauf, Location- und echtzeit-basierte Ansprache und Reaktion, sowie vertikaler Content werden zumindest von der großen und konsumstarken Gruppe der jüngeren User bereits als Standard und Auswahlkriterium für Marken gesehen. 

5. Welchen wichtigen Trend hast du verschlafen?

Die Memojis. Also diese kleinen, selbst zu kreierenden Mini-Me-Icons die neuerdings all meine Freundinnen an ihre WhatsApp-Nachrichten anhängen. Zu süß!