Chris Lea
NO MORE SAFE BETS
  • Cultural Velocity
  • Markenstrategie
Chris Lea
10.04.2019

Menschen kaufen sich von Werbung frei. Und nun? Soziodemographie hat als relevantes Kriterium für die Zielgruppendefinition endgültig ausgedient. Zu divers, zu individuell sind die Motivationen und Entscheidungswege, zu groß die soziologischen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt kulturellen Unterschiede innerhalb einzelner Bevölkerungskohorten.

Parallel wachsen die Möglichkeiten, Werbung zu vermeiden und die Vorbehalte gegenüber werblicher Kommunikation nehmen zu. Die steigenden Nutzerzahlen von Inhalte-Anbietern wie Amazon Prime Video, Netflix oder Spotify beweisen, dass immer mehr Menschen bereit sind, sich von Werbung freizukaufen.

Identifikation erfolgt über die gemeinsam geschaffene, die gemeinsam gelebte Kultur.

Gesellschaft definiert sich heute immer weniger über Generationszugehörigkeit, soziale Schicht, Ethnie oder Geschlecht. Gleichzeitig findet die bewusste Trennung zwischen einzelnen Medienkanälen de facto nicht (mehr) statt. Kanäle, Programme oder Prime-Time-Shows fungieren folglich nicht mehr als Plattformen, die größere gesellschaftliche Gruppen zusammenführen. Identifikation erfolgt über die gemeinsam geschaffene, die gemeinsam gelebte Kultur – virtuell über Länder- und Sprachgrenzen hinweg oder ganz real in lokalen Communitys. Kulturelle Denominatoren etablieren und verändern sich in sozialen Netzwerken oder anderen digitalen Keimzellen ohne das Mitwirken von Massenmedien. Deren Verstärkungsleistung ist in einer Gesellschaft, die eben nicht mehr aus einer rezipierenden Masse besteht, sondern als ein System aus unterschiedlich stark vernetzten Sendern und Empfängern verstanden werden muss, nicht mehr notwendig, um Trends und Themen entstehen und wachsen zu lassen.